INTERNATIONALE KATHOLISCHE FRIEDENSBEWEGUNG IM BISTUM LIMBURG
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Ansprache zur Eröffnung der Aktion "Wander-Friedenskerze 2011"

Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder im Glauben!
 
Heute feiern wir das 10-jährige Jubiläum der ökumenischen Aktion Wanderfriedenskerze – unser Gottesdienst steht unter dem Jesaja Text: „Brot und Wasser denen, die fliehen vor dem Schwert“
 
Haben wir wirklich Grund zum Feiern, sind nicht die Nachrichten, die uns täglich erreichen, eher dazu geeignet, zu resignieren und aufzugeben?

Hierzu einige Schlagzeilen, die uns, die wir heute hier versammelt sind, an Bilder aus Zeiten erinnern sollte, in denen Deutschland in Kriege verstrickt war.

  • 43,7 MillionenMenschen sind weltweit auf der Flucht.
  • Die Devise heißt – Leben oder Tod – immer mehr Afrikaner versuchen die risikoträchtige Überfahrt mit nicht hochseetauglichen Booten, um vom Senegal aus das spanische Festland oder die Kanaren zu erreichen. In weniger als 6 Monaten waren es 11 000 Flüchtlinge, die am Ende beraubt ihrer letzten finanziellen Mittel und völlig erschöpft ankamen, um dann ggfs. wieder in ihr Heimatland abgeschoben zu werden.
  • Warten in der Wüste – im tunesischen Flüchtlingslager Shousha leben rund 3000 Menschen aus 27 Nationen, viele davon sind vor dem Bürgerkrieg in Libyen geflohen, die meisten stammen aus Staaten südlich der Sahara.

 

Flüchtlinge sterben im Meer – die Nato schaut zu!

  • Wie Säcke ins Meer geworfen – gestorben an Hunger und Durst – von der Sonne verzehrt – so beschreibt eine in Turin erscheinende Tageszeitung das grauenvolle Ende der afrikanischen Flüchtlinge, deren Ziel Lampedusa in Italien war.
  • Im Mai diesen Jahres sollen hunderte Menschen nach dem Schiffbruch ihres Bootes vor der Küste bei Tripolis das Land nicht mehr erreicht haben.
  • In einem anderen in Lampedusa eingelaufenen Boot fand man die Leichen von 25 jungen Männern!
  • Seit Beginn der Bombenangriffe aus Libyen – Mitte März – werden mehr als 1500 Bootsflüchtlinge vermisst!
  • Aber auch an der griechisch-türkischen Grenze entsteht ein neuer Limes: Stahl, Stacheldraht, Hightech und ein gigantischer Wassergraben sollen Flüchtlinge und Migranten an der Einreise hindern!

 
 
Liebe Gemeinde,
im vergangenen Jahr haben wir uns im Gottesdienst mit dem Thema der Kriegswaffenlieferungen beschäftigt, heute wollen wir uns der Frage stellen, in welchem Zusammenhang stehen diese Lieferungen – ob aus den USA, Russland, Italien, Frankreich und Deutschland – Deutschland hat zum Beispiel in 2009 für ca. 53 Millionen Rüstungsexporte nur nach Libyen getätigt , zu den Flüchtlingsströmen. Mit jeder Waffenlieferung tragen wir in der Regel dazu bei, dass Menschen aus welchem Grund auch immer – zur Flucht getrieben werden. Innerhalb von Afrika sind ca. 5 Millionen Menschen auf der Flucht, davon bleiben 78 % in Afrika und nur 22 % flüchten in andere Weltregionen.
„Ärzte ohne Grenzen“ spricht von ca. 630 000 Menschen aus Nordafrika, die ihre Heimatländer wegen Bürgerkriege verlassen haben und in Tunesien und Ägypten aufgenommen worden sind, im Gegensatz haben wir in Europa gerade mal 34 000 aufgenommen und würden sie am liebsten wieder zurückschicken. Diese Zahlen sind auch für uns in Deutschland beschämend! Deutschland sei moralisch wie rechtlich in der Verantwortung, denn bis vor kurzem hätten europäische Staaten Libyen noch dafür bezahlt, wenn sie die Hilfesuchenden und Verzweifelten Europa fernhalten. Dafür hat Italien dem Gewaltherrscher Gaddafi allein in den letzten Jahren jährlich 200 Millionen Euro bezahlt!
Muss uns das nicht nachdenklich stimmen – !
 
Die gerade hinter uns liegenden Jahrestage der Atomabwürfe in Hiroshima und Nagasaki und die Katastrophe von Fukushima haben uns die Verletzlichkeit der menschlichen Zivilisation vor Augen geführt. Im diesjährigen DGB-Aufruf zum heutigen Antikriegstag heißt es: Wir fordern die Bundesregierung einmal mehr auf, Rüstungsexporte in Krisenregionen zu verbieten und Rüstungsausgaben nachhaltig zu senken! Das Ende der zivilen Nutzung der Atomkraft muss auch das Ende aller Atomwaffen sein.
 
Deshalb ist das unabweisbare Gebot der Vernunft, zivile und humanitäre Konfliktlösungen zu suchen, statt mit Krieg und Militäreinsätzen Sicherheit oder gar Gerechtigkeit schaffen zu wollen.
 
Erheben auch wir als Christinnen und Christen immer wieder unsere Stimme, um auf die Menschenrechtsverletzungen in unserer Welt aufmerksam zu machen.


Erinnern wir uns in unserem Alltag immer wieder des Jesaja Textes:
„Brot und Wasser, denen die fliehen vor dem Schwert!

 

Beatrix Schlausch

Gottesdienst am 1. September 2011 in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Frankfurt-Griesheim
Gottesdienst am 1. September 2011 in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Frankfurt-Griesheim

 


Die drei Kerzen
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