Zwangsarbeit in katholischen Einrichtungen
Dr. Thomas Schüller, von Bischof Kamphaus ernannter Beauftragter für das Rechercheprojekt "Zwangsarbeit in katholischen Einrichtungen im Bistum Limburg", berichtete im Anschluss an diesen historischen Rückblick, dass die katholische Kirche im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) sich im Gegensatz zu diesen frühen Initiativen erst spät mit der Frage der Zwangsarbeit in ihren eigenen kirchlichen Einrichtungen beschäftigt habe. So fasste der Ständige Rat der DBK erst am 28. August 2000 den Beschluss, einen eigenen Entschädigungs- und Versöhnungsfonds einzurichten und die einzelnen Diözesen aufzufordern, sich im Sinne einer Selbstverpflichtung in der kirchenhistorischen Aufarbeitung von Zwangsarbeit in ihren katholischen Einrichtungen zu engagieren. Ziel der Recherchearbeit im Bistum Limburg war es dann, so Dr. Schüller, die in Einrichtungen der katholischen Kirche im Bistum beschäftigten ZwangsarbeiterInnen möglichst vollständig und zeitnah zu erfassen, um eine Entschädigung noch zu ermöglichen. "Natürlich war uns allen bewusst", betonte Dr. Schüller, "dass eine solche finanzielle Entschädigung das erlittene Unrecht nie wiedergutmachen kann."
Die Ergebnisse der Recherche wurden in einer Ausstellung sowie auf der Website zwangsarbeit-in-der-kirche.de dokumentiert.
"Was denkt Ihr eigentlich über uns, in Polen"
Als eine Besuchergruppe aus dem Bistum Limburg im Frühjahr 2002 - ein Jahr vor dem Beitritt Polens zur Europäischen Union – den ehemaligen Zwangsarbeiter Jan Nowogrodski in Omszana am Ostrand Polens besuchte, fragte man ihn, was er sich wünschen würde für eine gemeinsame Zukunft von Deutschen und Polen. Er wünsche sich - so sagte er -, dass man die Grenzen durchlässiger machen und die jungen Leute arbeiten lassen solle. Dreieinhalb Jahre später ist sein Wunsch Wirklichkeit geworden: Neun junge Polinnen und Polen, Nachkommen ehemaliger Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter im Bistum Limburg, nahmen als Gäste an der Diözesankonferenz von pax christi Limburg teil, die am 1./2. Juli in Königstein-Mammolshain stattfand. Auf Einladung der pax christi-Bistumsstelle Limburg und mehrerer Einrichtungen der Diözese Limburg werden die jungen Erwachsenen im Alter von 19 bis 24 Jahren drei Monate lang Gelegenheit haben, in deutschen Betrieben Praktikumserfahrungen zu sammeln, Kontakte zu jungen Deutschen zu knüpfen sowie sich mit der gemeinsamen neueren deutsch-polnisch-europäischen Geschichte und Zukunft auseinander zu setzen.
