Friedensmeditationen
Friedenarbeit mit langem Atem braucht Zeiten und Orte der Neuorientierung und Ermutigung. Friedensmeditationen als eintägige Kurzseminare sind solche spirituell-politischen Tankstellen. Gemeinsam mit den Pax Christi-Bistumsstellen Fulda und Mainz, dem Friedenspfarramt der evangelischen Kirche und den katholischen Bildungswerken MainTaunus und HochTaunus bieten wir regelmäßig im Frühjahr und im Herbst eine Friedensmeditation an.
Im Mittelpunkt steht jeweils ein Mensch, der vorbildlich ein Leben in und für Gerechtigkeit lebte. Menschen, wie Oscar Romero, der für die Befreiung des salvadorianischen Volkes kämpfte und starb. Menschen wie Thomas Merton, der sich für Frieden und interreligiösen Dialog einsetzte. Menschen wie Dag Hammarskjöld, Simone Weil, Dietrich Bonhoeffer, Dorothee Sölle, Madeleine Delbrêl, die ihr Christsein aus einer tiefen spirituellen Verwurzelung in einem entschiedenen gesellschaftlichen Widerstehen lebten.
Allesamt Grenzgänger und Grenzgängerinnen: Leute mit Gewissen, Courage und Fantasie, die sich selbst treu blieben und die Vision lebten, dass die Welt nicht so bleiben kann, wie sie ist. Politische Mystiker und Mystikerinnen, in denen der Himmel die Erde berührt. Menschen, die neue Perspektiven entdeckten – weil unser Leben ohne den Glanz einer manchmal verrückten Hoffnung fahl, langweilig und trostlos wird.
Was bleibt denn vom Leben, wenn wir uns das Träumen verbieten, unsere spirituellen Quellen versiegen lassen? Wenn nicht mehr nach Sinn und Ziel, Liebe und Schuld und nach dauerhaften Glück gefragt werden darf? Träume und Visionen sind lebensnotwendig, überlebensnotwendig. Wer seine mystischen Wurzeln freilegt und pflegt, hat eine Chance, sein eigenes Leben zu leben und keine vorgefertigte Kopie zu sein. Wir brauchen die Vorbilder, die VorkämpferInnen, LebensbegleiterInnen und WeggefährtInnen sind. Sie machen Mut, unser Leben schöner und die Gesellschaft menschlicher zu gestalten.
Thomas Wagner
