Rückblick auf den Themenschwerpunkt: "Rohstoffe"
Von der Fastenzeit bis in den Spätsommer 2010 zeigte das Ökumenische Netzwerk Rohstoffgerechtigkeit unter der Federführung von Pax Christi Limburg eine Fotoausstellung des Bonner Konversionszentrums (BICC) zur Bedeutung von Rohstoffen für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung unserer Welt. Gemessen an der Zahl der Besucherinnen und Besucher war die Ausstellung ein großer Erfolg. Die Probleme aber bleiben bestehen.
Aus über 50 Entwicklungsländern werden große Mengen wertvoller Rohstoffe exportiert, auf die die Weltwirtschaft angewiesen ist. Für viele dieser Länder ist ihr Rohstoffreichtum ein Fluch: Ob ausbeuterische Kinderarbeit bei der Ernte von Kakao, skrupelloser Raubbau an der Natur bei der Gewinnung von Uran oder Öl oder Menschenrechtsverletzungen bei der Suche nach Diamanten – die Liste der mit Rohstoffen verbundenen Probleme in den meisten Entwicklungsländern ist schier endlos.
Dies deutlich zu machen und erste Handlungsansätze insbesondere für Verbraucherinnen und Verbraucher darzustellen, war Ziel der Stafette, die die BICC-Ausstellung an zehn Orte auf dem Gebiet der Bistümer Limburg und Mainz sowie der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) führte.
Insgesamt nahmen an den rund 20 Veranstaltungen wie Führungen, Vorträgen oder Fortbildungen von Lehrerinnen und Lehrern über 400 Personen teil, darunter sieben Schulklassen. Weitere 25 Schulklassen besuchten an den zehn Orten im Rhein-Main-Gebiet die Ausstellung. Hunderte Interessierte informierten sich über das Problem der Rohstoffgier in den Industrieländern. In Idstein und Montabaur war sogar ein Pater aus Afrika zu Gast, der zum Thema Ölgewinnung im Tschad referierte.
Bei der abschließenden Podiumsdiskussion im August im Frankfurter Haus am Dom diskutierten Partei-, Staats- und Kirchenvertreterinnen und -vertreter und kamen darin überein, dass die Ausstellung zu mehr Problembewusstsein führe und dass weiterhin zivilgesellschaftlicher Druck auf Politik und Unternehmen ausgeübt werden müsse. Die Forderungen einer Petition an Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle lauten: klare Sozial- und Umweltstandards für alle staatlichen Wirtschaftsförderungsinstrumente, die Offenlegung jeglichen Rohstoffbezugs von Unternehmen aus Entwicklungs- und Schwellenländern und die Einrichtung einer Beschwerdestelle durch die Bundesregierung für Personen, deren Rechte im Zuge eines außenwirtschaftlichen Projekts verletzt werden. Die dafür gesammelten 500 Unterschriften reichen zwar nicht, um damit an den Minister heranzutreten, bleiben aber weiterhin bestehen und werden weiter-
hin an politische Entscheidungsträgerinnen und -träger herangetragen.
Die aktuellen Debatten um die Rohstoffstrategiepapiere der Bundesregierung und der EU zeigen, dass Europa weit entfernt davon ist, rechtlich bindende Regulierungen im Rohstoffsektor umzusetzen oder sich für Ressourceneffizienz zu engagieren. Ganz im Gegenteil scheint die Sicherung von Rohstoffen für unsere stark reformbedürftige Produktions- und Konsumweise zukünftig vermehrt militärisch zu erfolgen – darauf deutet die aktuelle Bundeswehrreform, aber auch das Beispiel Afghanistan hin, wo laut Presseberichten erst kürzlich große Mengen verschiedener Rohstoffe im Wert von etwa einer Billion Euro gefunden wurden.
Wir danken dem Kath. Fonds und der EED für die finanzielle Unterstützung!

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